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Was ist eine Stiftung?

Stiftungswissen Von Lisa Gröschel Stand 22.10.2026 5 Min. Lesezeit

Eingang eines historischen Stiftungsgebäudes in einer deutschen Stadt

Eine Stiftung ist ein Vermögen, das ein Stifter dauerhaft einem bestimmten Zweck widmet. Anders als ein Verein hat sie keine Mitglieder und anders als ein Unternehmen keine Eigentümer. Sie gehört sich gewissermaßen selbst. Ein Vorstand verwaltet das Vermögen und setzt die Erträge für den Zweck ein, den der Stifter in der Satzung festgelegt hat.

In Deutschland gab es Ende 2025 nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Stiftungen 27.082 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Rund 88 Prozent davon verfolgen gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke.

Stiftung: Definition nach BGB

Seit der Reform des Stiftungsrechts im Juli 2023 enthält das Bürgerliche Gesetzbuch erstmals eine eigene Definition. Nach § 80 BGB ist die rechtsfähige Stiftung eine mit einem Vermögen ausgestattete, auf Dauer angelegte juristische Person ohne Mitglieder, die einen vom Stifter vorgegebenen Zweck verfolgt.

Einfach erklärt heißt das:

  • Vermögen: Am Anfang steht Geld oder ein anderer Wert, etwa Immobilien, Unternehmensanteile oder Kunstwerke.
  • Zweck: Der Stifter legt fest, wofür die Stiftung da ist, zum Beispiel Jugendhilfe, Forschung oder Naturschutz.
  • Organisation: Ein Vorstand führt die Stiftung, oft kontrolliert von einem Stiftungsrat oder Kuratorium.
  • Dauer: Die Stiftung ist in der Regel auf Ewigkeit angelegt. Eine Verbrauchsstiftung gibt ihr Vermögen dagegen über mindestens zehn Jahre aus.

Wie entsteht eine Stiftung?

Grundsätzlich kann jede Person eine Stiftung gründen, ebenso ein Unternehmen oder ein Verein. Rechtlich sind zwei Bausteine nötig: das Stiftungsgeschäft und die Satzung. Im Stiftungsgeschäft erklärt der Stifter, dass er ein Vermögen auf die neue Stiftung übertragen will. Das geht zu Lebzeiten in Schriftform oder von Todes wegen, also per Testament oder Erbvertrag.

Die Satzung legt den Stiftungszweck fest und regelt, wie die Organe gebildet werden und wie das Stiftungsvermögen verwendet wird. Anschließend prüft die zuständige Stiftungsbehörde des Bundeslandes den Antrag. Mit ihrer Anerkennung ist die rechtsfähige Stiftung errichtet. Bei einer Treuhandstiftung entfällt dieser Schritt: Hier schließt der Stifter einen Vertrag mit einem Treuhänder, der das Vermögen getrennt von seinem eigenen verwaltet.

Wer lieber eine bestehende Stiftung unterstützt, statt selbst eine zu gründen, kann eine Zustiftung leisten. Wie die Gründung im Detail abläuft, steht im Ratgeber Stiftung gründen.

Was macht eine Stiftung?

Eine klassische Stiftung legt ihr Vermögen an und gibt nur die Erträge aus. Das Grundstockvermögen bleibt erhalten, damit die Stiftung auch in 100 Jahren noch wirken kann. Mit den Erträgen fördert sie ihren Zweck auf zwei Wegen:

  1. Fördernd: Sie vergibt Geld an andere, etwa Stipendien, Projektzuschüsse oder Preise.
  2. Operativ: Sie führt eigene Projekte durch oder betreibt Einrichtungen wie Krankenhäuser, Museen, Schulen oder Altenheime.

Viele Stiftungen kombinieren beides. Neben den Erträgen nehmen sie Spenden und Zustiftungen an. Wie das Zusammenspiel von Stifter, Vorstand und Aufsicht im Alltag aussieht, erklärt der Beitrag Wie funktioniert eine Stiftung?

Schema: So funktioniert eine Stiftung, vom Stifter über die Stiftung bis zum geförderten Zweck
Der Stifter gibt das Vermögen, die Stiftung setzt die Erträge für ihren Zweck ein.

Welche Arten von Stiftungen gibt es?

Stiftungen lassen sich nach Rechtsform und nach Zweck unterscheiden. Die häufigsten Arten:

Art Kurz erklärt
Rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts eigene juristische Person mit staatlicher Anerkennung und Aufsicht
Treuhandstiftung nicht rechtsfähig, ein Treuhänder verwaltet das Vermögen
Stiftung des öffentlichen Rechts vom Staat errichtet, etwa die Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Kirchliche Stiftung dient kirchlichen Zwecken, unter kirchlicher Aufsicht
Familienstiftung dient dem Wohl einer Familie, nicht gemeinnützig
Bürgerstiftung viele Stifter fördern gemeinsam ihre Stadt oder Region
Unternehmensstiftung hält Anteile an einem Unternehmen, etwa die Robert Bosch Stiftung

Ausführlich stellt der Beitrag Welche Stiftungsformen gibt es? die Varianten vor.

Stiftung, Verein oder GmbH: der Unterschied

Wer etwas Gemeinnütziges aufbauen will, steht oft vor der Wahl zwischen diesen drei Formen. Die wichtigsten Unterschiede:

Merkmal Stiftung Verein gGmbH
Mitglieder oder Gesellschafter keine Mitglieder Gesellschafter
Grundlage Vermögen Personen Stammkapital
Zweck änderbar nur in engen Grenzen per Beschluss per Beschluss
Staatliche Aufsicht ja (rechtsfähige Stiftung) nein nein
Auflösung kaum möglich per Beschluss per Beschluss

Die Stiftung ist also die beständigste Form. Bei Verein und gGmbH entscheiden Mitglieder oder Gesellschafter über die Zukunft, bei der Stiftung bleibt der Wille des Stifters maßgeblich. Sie eignet sich, wenn ein Zweck über Generationen gesichert werden soll, auch unabhängig vom Stifter.

Kinder lernen mit ehrenamtlichen Helfern in einer Bibliothek, gefördert von einer Stiftung
Viele Stiftungen fördern Bildung, etwa Lernhilfen und Leseprojekte für Kinder.

Stiftung und Steuern

Steuerlich ist entscheidend, ob eine Stiftung gemeinnützige Zwecke verfolgt. Das Finanzamt prüft vorab die Satzung und später regelmäßig, ob die Mittel zur Erfüllung des Stiftungszwecks eingesetzt werden. Ist das der Fall, zahlt die Stiftung auf ihre Vermögenserträge keine Körperschaft- und Gewerbesteuer. Stifter können Zuwendungen in das Stiftungsvermögen bis zu einer Million Euro als Sonderausgaben absetzen, Ehepaare bis zu zwei Millionen. Erbschaften und Schenkungen an gemeinnützige Stiftungen sind steuerfrei.

Eine Familienstiftung ist dagegen nicht gemeinnützig. Sie zahlt normale Steuern und alle 30 Jahre die sogenannte Erbersatzsteuer.

Wem gehört eine Stiftung?

Niemandem. Ist eine Stiftung eine juristische Person? Ja: Mit der Anerkennung wird sie rechtlich selbstständig. Das Vermögen gehört ihr selbst, nicht dem Stifter und nicht dem Vorstand. Der Stifter kann sich in der Satzung zwar Rechte sichern, etwa einen Sitz im Vorstand, und dort mitentscheiden. Das gestiftete Vermögen bekommt er aber nicht zurück. Auch Erben haben keinen Anspruch darauf.

Was heißt Stiftung auf Englisch?

Die übliche Übersetzung ist foundation, eine gemeinnützige Stiftung heißt charitable foundation. Das englische trust ähnelt eher einer Treuhandkonstruktion und ist nicht dasselbe wie eine deutsche Stiftung. Für Stiftungsvermögen sagt man endowment, für den Stifter founder oder donor.

Bekannte Beispiele

Zu den bekanntesten Stiftungen in Deutschland gehören die Stiftung Warentest, die Robert Bosch Stiftung, die VolkswagenStiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Studienstiftung des deutschen Volkes. Viele der ältesten Stiftungen stammen aus dem Mittelalter und betreiben bis heute Hospitäler oder Altenheime. Mehr Zahlen und eine Liste von A bis Z stehen auf unserer Seite Stiftungen in Deutschland. Einen enzyklopädischen Überblick bietet auch Wikipedia.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Stiftung ist ein Vermögen mit eigenem Zweck und eigener Rechtspersönlichkeit.
  • Sie hat keine Mitglieder und keine Eigentümer.
  • Meist bleibt das Vermögen erhalten, nur die Erträge werden ausgegeben.
  • Die meisten Stiftungen in Deutschland sind gemeinnützig.
  • Seit 2023 definiert § 80 BGB die Stiftung bundesweit einheitlich.
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