Erbschaftssteuer – Wie viel Steuern sind wirklich zu zahlen?

Erben müssen eine Erbschaftssteuer zahlen

Jeder, der ein Erbe antritt, das über dem Steuerfreibetrag liegt, muss eine Erbschaftssteuer zahlen. Dabei kann es sich um Geld, Immobilien oder Unternehmen handeln. Die Höhe der Erbschaftssteuer hängt dabei vom Verwandtschaftsgrad und von der Höhe des Erbes ab.

Wer eine Erbschaft erwartet, plant sie in den meisten Fällen schon Jahre zuvor für die Altersvorsorge ein. Allerdings kann das Erbe in den seltensten Fällen die Höhe einer sicheren Vorsorge abbilden, sagen Meinungsforscher. Nur etwa jeder zwanzigste Erbe kann mit einem Brutto-Nachlass von über 300.000 € rechnen.

Wer unterliegt der Erbschaftsteuerpflicht?

Natürliche Personen, die durch Erbschaft Vermögen erworben haben, wenn sein Wert den steuerfreien Betrag übersteigt. 

Die Steuerpflicht entsteht in der Regel an dem Zeitpunkt, an dem die Entscheidung des Gerichts über die endgültige Erlangung der Erbschaft rechtskräftig wird oder die Urkunde der Erbschaftsbescheinigung von einem Notar unterschrieben wird.

Ist der Erwerb einer Erbschaft nicht zur Besteuerung angemeldet, entsteht die Steuerpflicht, wenn sich der Steuerpflichtige auf die Tatsache des Erwerbs vor dem Finanzamt oder der Steueraufsicht beruft.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer?

Der deutsche Gesetzgeber hat die Art der Erbschaftssteuer als progressiv festgelegt. Auf den Erbbetrag wird eine entsprechend hohe Steuer erhoben – je höher der Nachlasswert, desto höher die Steuer. Außerdem wird die Höhe der Erbschaftssteuer vom Grad der Verwandtschaft beeinflusst – je näher er ist, desto geringer ist die Steuerbelastung (3 Verwandtschaftsgruppen). Die Höhe der Steuer wird auf der Grundlage des Erbschaftsteuergesetzes festgelegt.

  • Gruppe I: Kleinkinder, Kinder und Stiefkinder, Enkelkinder, Eltern und Großeltern im Falle des Kaufs im Falle des Todes
  • Gruppe II: Eltern und Großeltern, sofern nicht in Gruppe I vererbt, Geschwister, Schwestern, Pflegeeltern, Teschen, Schwiegertochter, Schwiegersohn und ehemalige KleinkinderGruppe III: andere Erben.

Neuerungen im Erbschaftssteuergesetz

Seit Januar 2009 ist in Deutschland bereits ein neues Erbrecht in Kraft, da das bisherige Gesetz für unvereinbar mit der deutschen Verfassung erklärt wurde.

Zu den wesentlichen Änderungen gehören unter anderem die folgenden Punkte:

  • Der Freibetrag für Ehepartner, Kinder, Enkelkinder und eingetragene Partner wurde erhöht.
  • Der Steuersatz für Geschwister, Neffen und andere Verwandte ist höher als im bisherigen Gesetz.
  • Die Erbschaft von Immobilien durch Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner bleibt unbesteuert, wenn die Immobilie von einem Erben für einen Zeitraum von 10 Jahren bewohnt wird.
  • Die Erbschaft der Immobilie durch Kinder oder Enkel ist auch dann steuerfrei, wenn die Immobilie von einem Erben für einen Zeitraum von 10 Jahren bewohnt wird, sofern die Immobilie weniger als 200m² beträgt.
  • Das Vermögen der Gesellschaft und die Anteile an einer Kapitalgesellschaft können unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Steuerpflicht vererbt werden.

Die steuerfreien Beträge stellen sich in Deutschland derzeit wie folgt dar:

Steuerpflichtiges Erbe Erbschaftssteuerklasse I Erbschaftssteuerklasse II Erbschaftssteuerklasse III
75.000 € 7 % 15 % 30 %
300.000 € 11 % 20 % 30 %
600.000 € 15 % 25 % 30 %
6.000.000 € 19 % 30 % 30 %
13.000.000 € 23 % 35 % 50 %
26.000.000 € 27 % 40 % 50 %
> 26.000.000 € 30 % 43 % 50 %

Um den Betrag der Steuer zu berechnen, ist es notwendig, den freien Betrag vom Betrag der Erbschaft abzuziehen. Der Rest wird steuerpflichtig sein.
Wird ein Kind beispielsweise mit 900.000 € beerbt, wird der Steuerfreibetrag (hier: 400.000 €) von diesem Wert abgezogen und der Restwert (hier: 500.000 €) besteuert. In diesem Fall muss die Person 15% Erbschaftssteuer zahlen, d.h. 75.000€.

Häufig gestellte Fragen

Nachfolgend haben wir die am häufigsten gestellten Fragen rund um das Thema „Erbschaftssteuer“ zusammengetragen und beantwortet.

Was ist eine Erbschaftssteuer?

Eine Erbschaftssteuer ist eine von den Erben zu zahlende Steuer (Geldbetrag) bei der Übernahme einer steuerpflichtigen Erbschaft einer natürlichen Person. Rechtsgrundlage dafür ist das deutsche Erbschaftssteuergesetz. Es wurde in Deutschland (damals Deutsches Reich) erstmals im Jahr 1906 eingeführt.

Was fällt unter die Erbschaftssteuer?

Unter die Erbschaftssteuer fallen alles Geld, alle Immobilien und alle Unternehmen, die im Falle eines Erbes den individuellen Erbschaftssteuer-Freibetrag übersteigen. Der Erbschaftsstuer Freibetrag ist in erster Linie vom Verwandtschaftsgrad abhängig.

Wer bekommt die Erbschaftssteuer?

Viele Steuerzahler fragen sich: Wohin geht die Erbschaftssteuer? Nun, das ist leicht zu beantworten. Der Staat bekommt die Erbschaftssteuer. Was mit den Steuergeldern in der Staatskasse passiert, wird von der Regierung entschieden.

Wie kann man die Erbschaftssteuer umgehen?

Um eine Erbschaftssteuer zu vermeiden gibt es in Deutschland einige Möglichkeiten. Sie können sich die Erbschaftssteuer sparen, wenn Sie eine der folgenden Methoden anwenden. Mit einigen Methoden ist es allerdings nur möglich, die Erbschaftssteuer zu vermindern. Das hängt allerdings von zahlreichen individuellen Parametern ab und muss im Einzelfall betrachtet werden.

  • Erlangung einer günstigeren Steuerklasse durch Heirat oder Adoption
  • Verlagerung des Privatvermögens in Betriebsvermögen
  • Verlagerung des Vermögens in andere Anlageklassen, die geringer besteuert werden müssen (bspw. Lebensversicherung, Immobilien, etc.)
  • Übertragung von Immobilien mit der Bedingung einer Eintragung eines Nießbrauchrechts für die oder den Schenker
  • Schenkung des Erbes an Erben unter Berücksichtigung des Schenkungsfreibetrags
  • Gegenseitige Einräumung von Vermächtnissen und Erbeinsetzung (Berliner Testament) zugunsten der Kinder (bei Tod des 1. Ehepartners)

Wie hoch ist der Freibetrag der Erbschaftssteuer?

Der Freibetrag der Erbschaftssteuer ist vom jeweiligen Verwandtschaftsgrad abhängig. Für Ehe- und Lebenspartner beträgt der Freibetrag 500.000 €. Für Kinder (einschließlich Stiefkinder und Adoptivkinder) beträgt der Freibetrag 400.000 €. Enkelkinder haben hingegen einen Erbschaftssteuer Freibetrag von 200.000 €. Für Eltern und Großeltern gilt ein Freibetrag von 100.000 €. 

Verwandtschaftsgrad Erbschaftssteuer Freibetrag
Lebens- und Ehepartner 500.000 €
Kinder (einschl. Stief- und Adoptivkinder) 400.000 €
Enkelkinder 200.000 €
Eltern & Großeltern 100.000 €
Rest 20.000 €

Wie wird der Wert einer Immobilie ermittelt?

Handelt es sich bei dem Erbe um eine Immobilie, stellt sich schnell die Frage: Wie werden Immobilien bewertet? Die Berechnung der Erbschaftssteuer bei Immobilien erfolgt auf Basis des Verkehrswert. Die örtliche Finanzbehörde kümmert sich darum, den aktuellen Verkehrswert der Immobilie zu ermitteln und legt demgemäß dessen Erbschaftssteuer fest. Die Berechnung der Erbschaftssteuer obligt demnach der Finanzbehörde. 

Wie schnell muss man die Erbschaftssteuer bezahlen?

Wie lange dauert es, bis man die Erbschaftssteuer bezahlen muss? Zunächst einmal haben Sie eine Frist von 3 Monaten, um das Erbe anzumelden. Wurde das fristgerecht erledigt, klärt die weitere Vorgehensweise Ihr zuständiges Finanzamt. Über Zahlungshöhe und Zahlungsfristen werden Sie schriftlich informiert.

Wie lange muss man bei einer Erbschaftssteuer verheiratet sein?

Hier gibt es keine gesetzliche Mindestehezeit. Ab dem Zeitpunkt der Hochzeit gilt das Erbschaftssteuergesetz für Verheiratete.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer bei Geschwistern?

Die Erbschaftssteuer ist nicht nur vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Allerdings definiert der Verwandtschaftsgrad den Erbschaftssteuerfreibetrag, der für Geschwister bei 20.000 € liegt.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer bei Kindern?

Die Erbschaftssteuer ist nicht nur vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Allerdings definiert der Verwandtschaftsgrad den Erbschaftssteuerfreibetrag, der für Kinder bei 400.000 € liegt.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer bei Neffen und Nichten?

Die Erbschaftssteuer ist nicht nur vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Allerdings definiert der Verwandtschaftsgrad den Erbschaftssteuerfreibetrag, der für Neffen und Nichten bei 20.000 € liegt.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer bei Nichtverwandten?

Die Erbschaftssteuer ist nicht nur vom Verwandtschaftsgrad abhängig. Allerdings definiert der Verwandtschaftsgrad den Erbschaftssteuerfreibetrag, der fürNichtverwandten bei 20.000 € liegt.

Verjährt die Erbschaftssteuer?

In der Tat verjährt die Erbschaftssteuer nach vier Jahre. Wurde nach dieser Zeit keine Aufforderung zur Zahlung der Steuer seitens des Finanzamt ausgelöst, verfällt die Steuer.

Wie hoch ist die Erbschaftsteuer bei Gütertrennung?

Im Falle einer ehelichen Gütertrennung ergeben sich keine erbschaftssteuerrechtlichen Folgen.

Warum muss man Erbschaftssteuer zahlen?

Weil es der Gesetzgeber so vorschreibt.

Wann fällt Erbschaftsteuer an?

Erben stellen sich häufig die Frage, wann die Erbschaftssteuer zu zahlen ist. Gesetzlich ist derjenige, der das Erbe antritt dazu verpflichtet, sein Erbe innerhalb von drei Monaten bei der Finanzkasse zu melden. Wann die Erbschaftssteuer fällig ist, legt das Finanzamt individuell fest und hängt unter anderem von der Bearbeitungszeit ab.

Wann kommt der Bescheid für die Erbschaftsteuer?

Der Bescheid für die Erbschaftsteuer kommt Ihnen vom Finanzamt postalisch zu. Der Zeitraum ist schwer auszumachen. Seien Sie sich sicher, dass er binnen 4 Jahre bei Ihnen eintrifft. Freuen Sie sich, wenn innerhalb von 4 Jahren nichts passiert, denn dann verjährt der Steueranspruch.

Wer führt die Erbschaftssteuer ab?

Die Erbschaftssteuer führt derjenige ab, der das Erbe antritt. Erbt ein Kind bspw. eine Geldsumme von seinem verstorbenen Vater, so trägt der Sohn die Erbschaftssteuer. Er hat sie in dem vom Finanzamt vorgegebenen Umfang zu zahlen.

Wer berechnet die Höhe der Erbschaftssteuer?

Üblicherweise wird die Höhe der Erbschaftssteuer vom Finanzamt berechnet. Voraussetzung dafür ist, dass der Erbende sein Erbe binnen 3 Monate dem Finanzamt meldet.

Wer zahlt die Erbschaftssteuer bei einer Erbengemeinschaft?

Gibt es eine Erbengemeinschaft, so wird die zu zahlende Erbschaftssteuer durch die Erbquote bestimmt. Steht die Erbquote fest, muss jeden Erben der Erbengemeinschaft eine Erbsteuerklasse zugeordnet werden. Erst dann kann entsprechend des Verwandtschaftsgrads und des entsprechenden Freibetrags der jeweilige Steueranteil bestimmt werden.

Wo muss man die Erbschaftssteuer angeben?

Sie müssen als Erbe das Vermögen, welches vererbt wird, innerhalb von 3 Monaten beim zuständigen Finanzamt melden. Ist das Erbe eingetragen, so muss die Erbschaftssteuer dem Finanzamt binnen einer definierten Frist bezahlt werden.

Wo wird die Erbschaftssteuer bezahlt?

Die Erbschaftssteuer  wird dem Finanzamt bezahlt. Das Geld fließt anschließend in die Staatskasse.

Welches Formular wird für die Erbschaftssteuer benötigt?

Für die Erbschaftssteuer ist es notwendig, das richtige Formular mit den entsprechenden Anlagen beim zuständigen Finanzamt abzugeben. Das Problem ist, dass jede Behörde sein eigenes Süppchen kocht und somit die Formulare nicht überall gleich sind, respektive häufig angepasst werden. Daher ist es notwendig und absolut empfehlenswert, das entsprechende Formular beim Finanzamt einzufordern, dass für Sie zuständig ist.

https://www.sparkasse.de/themen/erben-vererben/steuerklassen-freibetraege-erbschaftssteuer.html

https://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/pro-und-contra-zur-erbschaftssteuer-15691483.html

 

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