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Stipendien von Stiftungen: die 13 Begabtenförderungswerke

Welche Stiftungen vergeben Stipendien? Die 13 Begabtenförderungswerke im Überblick, was ein Stipendium zahlt, wer gefördert wird und wie die Bewerbung klappt.

Studierende sitzen mit Laptops auf den Stufen vor einer Universität
Studierende sitzen mit Laptops auf den Stufen vor einer Universität
Ein Stipendium einer Stiftung bringt Geld, Seminare und ein Netzwerk für das ganze Studium.

Viele Studierende halten ein Stiftungsstipendium für etwas, das nur Einserkandidaten bekommen. Das stimmt so nicht. Stiftungen achten neben den Noten vor allem auf Einsatz für andere und Persönlichkeit, und es gibt in Deutschland mehr Fördertöpfe, als die meisten ahnen. Die wichtigsten sind die 13 Begabtenförderungswerke, die das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert. Dazu kommen das Deutschlandstipendium und Tausende kleinerer Stiftungen.

Diese Seite knüpft an die frühere Rubrik „Studienförderung“ des Stiftungsindex an und zeigt, welche Stiftung zu wem passt, was sie bietet und wie man ins Programm kommt.

Die 13 Begabtenförderungswerke im Überblick

Alle Werke unterstützen begabte junge Menschen im ganzen Land, Studierende wie Promovierende, und zwar in allen Fachrichtungen. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer weltanschaulichen Ausrichtung:

Begabtenförderungswerk Ausrichtung
Studienstiftung des deutschen Volkes überparteilich und überkonfessionell, das größte Werk
Stiftung der Deutschen Wirtschaft (Studienförderwerk Klaus Murmann) wirtschaftsnah, unternehmerisches Denken
Hans-Böckler-Stiftung gewerkschaftsnah, gesellschaftliches Engagement
Cusanuswerk katholisch
Evangelisches Studienwerk Villigst evangelisch
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk jüdisch
Avicenna-Studienwerk muslimisch
Friedrich-Ebert-Stiftung SPD-nah
Konrad-Adenauer-Stiftung CDU-nah
Hanns-Seidel-Stiftung CSU-nah
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit FDP-nah
Heinrich-Böll-Stiftung den Grünen nahe
Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken nahe

Dass das BMFTR derzeit genau diese 13 Werke fördert, bestätigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag. Hintergründe zu den sechs parteinahen Werken stehen in unserem Beitrag über politische Stiftungen.

Infografik: die 13 Begabtenförderungswerke nach Ausrichtung gruppiert
Parteinah, religiös, gewerkschafts- oder wirtschaftsnah und überparteilich: die vier Gruppen der Begabtenförderung.

Wie viel Geld gibt es?

Die Leistungen der Begabtenförderungswerke folgen einheitlichen Regeln des Ministeriums. Folgende Bausteine gibt es:

  • Studienstipendium: Ein Grundstipendium, das sich wie das BAföG nach dem Einkommen der Eltern richtet, bis zur Höhe des BAföG-Höchstsatzes. Anders als das BAföG muss es nicht zurückgezahlt werden. Wer bereits BAföG bekommt, wechselt in dieses Modell.
  • Studienkostenpauschale: 300 Euro im Monat, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Diesen Betrag bekommt also jede Stipendiatin und jeder Stipendiat.
  • Promotionsstipendium: Ein fester Monatsbetrag. Höhe und Laufzeit wurden zum Wintersemester 2023/24 angehoben, die Regelförderzeit beträgt seitdem drei Jahre.
  • Ideelles Programm: Seminare, Sommerakademien, Sprachkurse, Mentoring und ein Netzwerk aus Stipendiatinnen, Stipendiaten und Ehemaligen. Viele sagen später, dass sie davon mehr hatten als vom Geld.

Die aktuellen Beträge veröffentlichen die Werke auf ihren Websites, sie werden regelmäßig an das BAföG angepasst.

Wer wird gefördert?

Gute Noten sind wichtig, aber selten allein entscheidend. Bei der Auswahl zählen drei Dinge: überdurchschnittliche Leistungen, Einsatz in Gesellschaft, Hochschule oder Verein und eine Persönlichkeit, die zur Stiftung passt.

Häufige Missverständnisse:

  1. Parteimitgliedschaft: Für ein Stipendium einer parteinahen Stiftung müssen Sie kein Parteimitglied sein. Erwartet wird, dass Sie die Grundwerte der Stiftung teilen.
  2. Konfession: Bei den religiösen Werken ist die passende Konfession in der Regel Voraussetzung.
  3. Bestnoten: Wer sich stark einsetzt, als Erste aus einer nichtakademischen Familie studiert oder neben dem Studium Angehörige pflegt, hat auch mit einem guten statt sehr guten Schnitt Chancen. Solche besonderen Umstände sollte man deshalb deutlich darstellen.
  4. Studienbeginn: Bewerben kann man sich bei den meisten Werken auch noch im Studium, oft bis zur Mitte des Bachelors oder für den Master.

In fünf Schritten zum Stipendium

  1. Passendes Werk wählen: Welche Werte teilen Sie? Mehrere Anträge parallel sind erlaubt, angenommen werden kann aber nur ein Stipendium aus Bundesmitteln.
  2. Fristen prüfen: Viele Werke haben ein oder zwei feste Termine im Jahr.
  3. Unterlagen vorbereiten: Lebenslauf, Motivationsschreiben, Zeugnisse, Nachweise über ehrenamtliche Tätigkeiten und meist ein oder zwei Gutachten von Lehrkräften oder Professoren.
  4. Auswahlverfahren: Nach der schriftlichen Runde folgen Gespräche oder ein Auswahlseminar mit Gruppendiskussion und Einzelinterviews.
  5. Zusage und Start: Das Stipendium beginnt in der Regel zum nächsten Semester. Ab dann gilt man als Stipendiat oder Stipendiatin und wird von einer Vertrauensdozentin oder einem Vertrauensdozenten an der Hochschule begleitet.
Studentin schreibt am Laptop eine Bewerbung für ein Stipendium
Das Motivationsschreiben ist das Herzstück jeder Stipendienbewerbung.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes

Die 1925 gegründete Studienstiftung ist das größte der 13 Werke und versteht sich als überparteilich und weltanschaulich offen. Lange kam man nur auf Vorschlag der Schule oder eines Hochschullehrers hinein. Heute ist zusätzlich eine Selbstbewerbung möglich, die mit einem Auswahltest beginnt. Danach folgen Auswahlseminare mit Gesprächen. Gefördert werden auch Promotionen in allen Bereichen der Forschung sowie Auslandsaufenthalte.

Wer nicht vorgeschlagen wurde, sollte die Selbstbewerbung ernsthaft prüfen. Ein Versuch kostet nur etwas Zeit, und viele Studierende erfahren erst im Auswahlseminar, wie gut sie in deren Profil passen.

Weitere Fördermöglichkeiten von Stiftungen

Neben den Begabtenförderungswerken gibt es viele weitere Möglichkeiten:

  • Deutschlandstipendium: 300 Euro im Monat, je zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern, vergeben von den Hochschulen selbst.
  • Hochschulstiftungen: Viele Universitäten haben eigene Stiftungen für Abschlussstipendien, Auslandsaufenthalte oder Notlagen.
  • Fachstiftungen: Zahlreiche kleinere Stiftungen unterstützen bestimmte Fächer, Regionen oder Gruppen, etwa junge Menschen aus Arbeiterfamilien.

Eine Doppelförderung aus öffentlichen Mitteln ist meist ausgeschlossen. Kleinere private Zuschüsse lassen sich dagegen oft kombinieren, das sollte man vorab bei beiden Geldgebern klären. Mehr Tipps stehen in unseren Beiträgen zu Stipendien für Studenten mit herausragenden Leistungen und zu Austauschprogrammen und Stipendien fürs Auslandssemester.

Häufige Fragen

Welche Stiftung vergibt die meisten Stipendien?

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das größte der 13 Werke. Sie wurde 1925 gegründet. Wer nach der „Stiftung des deutschen Volkes“ sucht, meint meist sie.

Muss ich das Geld zurückzahlen?

Nein. Die Leistungen der Begabtenförderungswerke sind Zuschüsse und müssen nicht zurückgezahlt werden.

Kann ich mich bei mehreren Stiftungen gleichzeitig bewerben?

Ja. Annehmen dürfen Sie aber nur das Angebot eines der Werke.

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